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Mindestlohn 2027: Was auf den Mittelstand zukommt und wer es zuerst spürt

14,60 Euro ab dem 1. Januar 2027. Die meisten Geschäftsführer rechnen jetzt aus, was das für ihre Aushilfen kostet. Das ist die harmlose Rechnung.

Die unangenehme kommt später und betrifft Menschen, die nie in die Nähe des Mindestlohns kamen.

Denn wenn die Untergrenze in zwei Jahren um fast 14 Prozent steigt, rückt sie nah an Löhne heran, die bisher deutlich darüber lagen. Ihre ausgebildete Fachkraft mit 16 Euro verdient dann noch 1,40 Euro mehr als jemand ohne Ausbildung. Das fällt auf, und zwar spätestens beim nächsten Gespräch.

Das Wichtigste in Kürze

  • 14,60 Euro ab 01.01.2027, nach 13,90 Euro in 2026. Gegenüber 12,82 Euro ein Plus von 13,88 %
  • Die Minijob Grenze steigt automatisch mit: 603 Euro in 2026, 633 Euro in 2027
  • Das BMAS schätzt die Mehrkosten für Arbeitgeber auf 3,44 Milliarden Euro allein für 2027
  • Der eigentliche Effekt ist die Lohnkompression: Der Abstand zu Facharbeiterlöhnen schrumpft
  • Die nächste Anpassungsrunde steht 2027 an, mit Wirkung zum 01.01.2028

Die Zahlen: Mindestlohn 2026 und 2027 im Überblick

Rechtsgrundlage ist die Fünfte Mindestlohnanpassungsverordnung (MiLoV5). Die Mindestlohnkommission hatte die Erhöhung am 27. Juni 2025 beschlossen, das Bundeskabinett hat sie im Herbst 2025 per Verordnung umgesetzt. Ungewöhnlich daran: Es sind zwei Stufen statt einer.

bis 2025 ab 01.01.2026 ab 01.01.2027
Mindestlohn Stundenlohn12,82 €13,90 €14,60 €
Minijob Grenze monatlich556 €603 €633 €
Minijob Grenze jährlich6.672 €7.236 €7.596 €
Midijob Obergrenze2.000 €2.000 €2.000 €
Vollzeit brutto (40 Std.)ca. 2.220 €ca. 2.410 €ca. 2.530 €

Für eine Vollzeitkraft bedeutet die Stufe 2027 gegenüber 2025 rund 310 Euro mehr brutto im Monat, auf das Jahr gerechnet etwa 3.700 Euro. Das ist die stärkste Anhebung seit der politischen Sonderstufe 2022, als der Mindestlohn per Gesetz auf 12 Euro gesetzt wurde.

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Wer es zuerst spürt: die Lohnkompression

Betriebe, die ohnehin über Mindestlohn zahlen, wiegen sich oft in Sicherheit. Das ist ein Trugschluss. Die Erhöhung wirkt nach oben durch, und zwar über einen Mechanismus, den man in der Lohnbuchhaltung nicht sieht, im Team aber sehr wohl.

Position Stundenlohn heute Abstand zum Mindestlohn 2025 Abstand ab 2027
Ungelernte Kraft12,82 €0 €0 € (steigt auf 14,60 €)
Angelernte Kraft14,50 €+1,68 €unter Mindestlohn
Ausgebildete Fachkraft16,00 €+3,18 €+1,40 €
Vorarbeiter mit Verantwortung18,50 €+5,68 €+3,90 €

Der Facharbeiter mit drei Jahren Ausbildung verdient künftig 1,40 Euro mehr als jemand, der gestern angefangen hat. Rechnerisch stimmt weiterhin alles, gefühlt nicht. Und genau dieses Gefühl landet im Mitarbeitergespräch, im Bewerbungsgespräch beim Wettbewerber oder in der Kündigung.

Bei Fast Match hören wir das in Kandidatengesprächen regelmäßig, meist nicht als Forderung, sondern als Beobachtung: „Bei uns verdienen die Neuen fast dasselbe wie ich." Wer diesen Satz im eigenen Betrieb noch nicht gehört hat, hört ihn vermutlich, weil niemand ihn ausspricht, nicht weil er nicht gedacht wird.

⚠️ Der Fehler: nur die untere Lohngruppe anheben

Die naheliegende Reaktion ist, exakt die Beschäftigten anzuheben, die unter 14,60 Euro liegen, und alle anderen unverändert zu lassen. Das ist rechtlich korrekt und personalpolitisch riskant. Denn Sie belohnen damit ausgerechnet die Gruppe ohne Qualifikation und lassen die Ausgebildeten leer ausgehen. Die Folge ist selten ein Aufstand, sondern stille Abwanderung: Wer eine Ausbildung hat, findet einen anderen Arbeitgeber, gerade im technischen Bereich, wo qualifizierte Kräfte ohnehin gesucht werden. Wer keine hat, bleibt. Rechnen Sie deshalb durch, was eine anteilige Anpassung der darüberliegenden Gruppen kostet, bevor Sie entscheiden. Häufig ist das günstiger als die Nachbesetzung von zwei Fachkräften.

Minijob und Geringfügigkeitsgrenze: Was sich automatisch ändert

Die Geringfügigkeitsgrenze ist seit 2022 dynamisch an den Mindestlohn gekoppelt. Sie steigt also mit, ohne dass ein eigenes Gesetz nötig wäre. Die Formel steht in § 8 SGB IV: Mindestlohn mal 130, geteilt durch 3, aufgerundet auf den nächsten vollen Euro.

Für 2027 ergibt das 14,60 mal 130 geteilt durch 3, also 632,67 Euro, aufgerundet auf 633 Euro. Die 130 steht für zehn Wochenstunden zum Mindestlohn, hochgerechnet auf 13 Wochen im Quartal.

Praktisch heißt das: Ein Minijobber kann bei 14,60 Euro rund 43 Stunden im Monat arbeiten, also weiterhin etwa zehn Stunden pro Woche. Die Stundenzahl bleibt gleich, das Entgelt steigt.

💡 Die Falle bei festen Stundenkontingenten

Kritisch wird es, wenn Sie einen Minijobber mit einer festen Monatspauschale beschäftigen. Steigt der Stundenlohn, ohne dass die Stunden reduziert werden, überschreiten Sie irgendwann die 633 Euro und rutschen ungewollt in die Sozialversicherungspflicht. Prüfen Sie deshalb rechtzeitig vor dem Jahreswechsel jedes geringfügige Beschäftigungsverhältnis: Wie viele Stunden werden tatsächlich geleistet, und liegt das Entgelt bei 14,60 Euro noch unter der Grenze? Wer mehrere Minijobs hat, muss zusätzlich die Zusammenrechnung beachten.

Dokumentationspflichten, die jetzt wichtiger werden

Mit steigendem Mindestlohn steigt auch das Prüfungsinteresse des Zolls. Zwei Pflichten aus dem Mindestlohngesetz sollten Sie kennen.

  • Aufzeichnungspflicht (§ 17 MiLoG): Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit müssen dokumentiert und mindestens zwei Jahre aufbewahrt werden. Bei geringfügig Beschäftigten wird das besonders streng kontrolliert. Nur mit lückenloser Erfassung lässt sich der effektive Stundenlohn belegen, also gezahlter Lohn geteilt durch geleistete Stunden. Wer ohnehin an der Pflicht zur Zeiterfassung arbeitet, sollte beides zusammen umsetzen
  • Generalunternehmerhaftung (§ 13 MiLoG): Sie haften dafür, wenn ein von Ihnen beauftragter Subunternehmer seinen Beschäftigten den Mindestlohn vorenthält. Verträge mit Dienstleistern brauchen deshalb Freistellungsklauseln und Kontrollrechte. Das betrifft besonders Bau, Logistik, Reinigung und Sicherheit

Mindestlohn Ausnahmen: Wo er nicht gilt

Gruppe Regelung
Auszubildende (Azubis)Kein gesetzlicher Mindestlohn, stattdessen gilt die Mindestausbildungsvergütung nach dem Berufsbildungsgesetz
Jugendliche unter 18 ohne BerufsabschlussAusgenommen, um Anreize gegen den Ausbildungsabschluss zu vermeiden
PflichtpraktikaAusgenommen, ebenso Orientierungspraktika bis drei Monate
LangzeitarbeitsloseIn den ersten sechs Monaten nach Wiedereinstieg ausgenommen
EhrenamtlicheAusgenommen

Wichtig in die andere Richtung: Ein tariflicher Mindestlohn nach dem Arbeitnehmer Entsendegesetz geht dem gesetzlichen vor, wenn er höher liegt. Das betrifft unter anderem Bauhauptgewerbe, Gebäudereinigung, Pflege, Dachdecker und Elektrohandwerk. Wer in diesen Branchen kalkuliert, muss den Branchensatz prüfen, nicht den gesetzlichen.

Was Sie jetzt tun sollten

  1. Lohngefüge komplett durchrechnen. Nicht nur die Beschäftigten unter 14,60 Euro, sondern alle Gruppen bis etwa 18 Euro. Wo schrumpft der Abstand auf unter zwei Euro? Dort entsteht Druck. Eine vollständige Aufstellung der Personalkosten inklusive Arbeitgeberanteilen zeigt schnell, was eine anteilige Anpassung wirklich kostet
  2. Minijobs einzeln prüfen. Bleibt jedes Verhältnis bei 14,60 Euro unter 633 Euro im Monat? Falls nicht: Stunden reduzieren oder bewusst in den Midijob wechseln
  3. Lohnsoftware und Verträge aktualisieren. Neue Stundensätze, neue Minijob Grenze, angepasste Gleitzone. Verträge mit festen Stundenlöhnen brauchen eine Anpassung. In größeren Betrieben lohnt es sich zu prüfen, ob die Lohnbuchhaltung personell aufgestellt ist, um den Umstellungsaufwand zu tragen. Eine Verstärkung im Finance Bereich zum Jahreswechsel ist erfahrungsgemäß schwerer zu finden als im Frühjahr
  4. Subunternehmerverträge nachschärfen. Freistellungsklausel und Nachweispflicht ergänzen, um die Haftung nach § 13 MiLoG zu begrenzen
  5. Alternativen zur reinen Lohnerhöhung prüfen. Wo eine flächendeckende Anhebung zu teuer wird, helfen steuerfreie Arbeitgeberleistungen. Sachbezug, Fahrtkostenzuschuss oder Essenszuschuss kommen netto beim Mitarbeitenden an und kosten weniger als eine Bruttoerhöhung mit vollen Sozialabgaben
  6. Frühzeitig kommunizieren. Wer im November erklärt, wie das Lohngefüge zum Jahreswechsel aussieht, verhindert Spekulationen im Dezember

Der teure Nebeneffekt: Fachkräfte werden knapper und teurer

Steigende Untergrenzen verschieben den gesamten Markt. Wenn ungelernte Arbeit 14,60 Euro kostet, steigt auch der Preis für qualifizierte Arbeit, weil der Abstand wiederhergestellt werden muss. Für Unternehmen, die ohnehin um Fachkräfte konkurrieren, verschärft das die Lage.

Besonders spürbar wird das in produzierenden Betrieben, wo Lohnkosten einen hohen Anteil haben und gleichzeitig qualifiziertes Personal knapp ist. Als Personalberatung für Industrieunternehmen sehen wir, dass die Gehaltsbandbreiten für technische Fachkräfte seit 2024 deutlich angezogen haben, und die Mindestlohnstufe 2027 wird diesen Trend nicht bremsen.

Wer 2027 einstellen will, sollte die Budgets entsprechend planen. Ein Angebot, das sich an den Gehältern von 2024 orientiert, wird schlicht nicht angenommen. Bei Fast Match geben wir Kunden vor dem Start einer Suche eine realistische Einschätzung der aktuellen Marktgehälter, weil eine zu niedrig kalkulierte Position Monate kostet und am Ende trotzdem teurer wird.

Kommen die 15 Euro?

Ein Datum steht nicht fest. Die im Wahlkampf diskutierten 15 Euro waren eine politische Forderung, kein Beschluss der Mindestlohnkommission. Das Gremium orientiert sich laut Gesetz an der Tarifentwicklung, nicht an politischen Zielmarken.

Die nächste reguläre Anpassungsrunde steht 2027 an, mit Wirkung zum 1. Januar 2028. Rechnerisch würde schon eine moderate Erhöhung die 15 Euro überschreiten. Wer langfristig kalkuliert, sollte für 2028 mit einem Wert zwischen 15 und 15,50 Euro planen.

Fazit: Die Rechnung beginnt oberhalb des Mindestlohns

Die direkte Mehrbelastung durch die Mindestlohnerhöhung lässt sich in einer Stunde ausrechnen. Der schwierigere Teil ist das, was darüber passiert: ein Lohngefüge, in dem Ausbildung und Erfahrung kaum noch honoriert wirken. Wer nur die Untergrenze anhebt, spart kurzfristig und verliert mittelfristig die Leute, die er am wenigsten ersetzen kann.

Rechnen Sie deshalb beide Seiten: was eine anteilige Anpassung kostet und was es kostet, wenn zwei Fachkräfte gehen. In den meisten Fällen ist die Antwort eindeutig. Fast Match unterstützt Mittelständler dabei, Gehaltsstrukturen marktgerecht einzuordnen und offene Positionen zügig zu besetzen, von München aus bundesweit.

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch ist der Mindestlohn 2027?

14,60 Euro pro Stunde ab dem 1. Januar 2027. Zuvor gilt seit dem 1. Januar 2026 ein Satz von 13,90 Euro. Gegenüber den 12,82 Euro aus 2025 entspricht das einem Anstieg von 13,88 Prozent in zwei Stufen. Rechtsgrundlage ist die Fünfte Mindestlohnanpassungsverordnung auf Basis des Beschlusses der Mindestlohnkommission vom 27. Juni 2025.

Wie hoch ist die Minijob Grenze 2027?

633 Euro im Monat, jährlich 7.596 Euro. Die Geringfügigkeitsgrenze ist seit 2022 dynamisch an den Mindestlohn gekoppelt und steigt automatisch mit. Die Formel nach § 8 SGB IV lautet: Mindestlohn mal 130, geteilt durch 3, aufgerundet. Die Obergrenze für Midijobs bleibt unverändert bei 2.000 Euro monatlich.

Was kostet die Mindestlohnerhöhung die Arbeitgeber insgesamt?

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales schätzt die zusätzlichen Lohnkosten auf rund 2,18 Milliarden Euro für 2026 und rund 3,44 Milliarden Euro für 2027. Für einen einzelnen Betrieb hängt die Belastung stark von der Lohnstruktur ab: Wer viele Beschäftigte nahe der Untergrenze hat, trägt überproportional.

Für wen gilt der Mindestlohn nicht?

Ausgenommen sind Auszubildende, für die stattdessen die Mindestausbildungsvergütung gilt, Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung, Pflichtpraktika und Orientierungspraktika bis drei Monate, Langzeitarbeitslose in den ersten sechs Monaten nach Wiedereinstieg sowie ehrenamtlich Tätige. Umgekehrt gehen höhere Branchenmindestlöhne nach dem Arbeitnehmer Entsendegesetz dem gesetzlichen Mindestlohn vor.

Welche Dokumentationspflichten gelten?

Nach § 17 Mindestlohngesetz müssen Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit aufgezeichnet und mindestens zwei Jahre aufbewahrt werden. Bei geringfügig Beschäftigten und in den in § 2a Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz genannten Branchen wird das besonders streng kontrolliert. Nur mit vollständiger Erfassung lässt sich der effektive Stundenlohn nachweisen.

Steigt der Mindestlohn 2028 auf 15 Euro?

Ein Beschluss dazu existiert nicht. Die Mindestlohnkommission tagt turnusgemäß 2027 erneut, mit Wirkung zum 1. Januar 2028. Sie orientiert sich an der Tarifentwicklung, nicht an politischen Zielmarken. Rechnerisch würde bereits eine moderate Anpassung die 15 Euro Marke überschreiten, verbindlich ist das aber nicht.

Quellen

IHK Ostthüringen: Fünfte Mindestlohnanpassungsverordnung (MiLoV5), Beschluss der Mindestlohnkommission vom 27.06.2025, BMAS Schätzung 2,18 Mrd. € für 2026 und 3,44 Mrd. € für 2027. ihk.de
gehalts-tipp 2026: Minijob Grenze 633 € ab 2027, Jahresgrenze 7.596 €, Formel § 8 SGB IV, Midijob Obergrenze unverändert 2.000 €. gehalts-tipp.de
bayern-business 2026: Zusammensetzung der Mindestlohnkommission, Vollzeit brutto ca. 2.530 € bei 40 Stunden, rund 310 € mehr pro Monat gegenüber 2025. bayern-business.de
CERTISCAN 2026: § 17 MiLoG Aufzeichnungspflicht mit zwei Jahren Aufbewahrung, rund 43 Stunden im Monat bei 633 € Grenze, Risiko ungewollter Sozialversicherungspflicht. certiscan.de
LBBW 2026: Generalunternehmerhaftung nach § 13 MiLoG, Aktualisierung der Lohnsoftware, Freistellungsklauseln in Subunternehmerverträgen. lbbw.de
monsterdealz 2026: 13,88 % Plus in zwei Jahren als stärkste Anhebung seit 2022, Branchenmindestlöhne nach AEntG gehen vor, nächste Anpassungsrunde 2027 mit Wirkung 2028. monsterdealz.de
Minijob Zentrale 2026: Mindestlohn gilt auch im Minijob, dynamische Verdienstobergrenze seit Oktober 2022, Anpassung der Wochenstunden nicht erforderlich. minijob-zentrale.de

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